Drucken: Diesen Artikel drucken

Geweihte Betonklötze

Vom Georgenberg in Mauer ist die Aussicht auf den Süden Wiens wunderschön. Die Hänge hinunter gegen den alten Ortskern von Mauer sind voll von Einfamilienhäusern und erst gegen den obersten Teil des Bergs zu ist mit einem Mal die Besiedelung zu Ende und die Kuppe präsentiert sich von übermannshohem Büschen bewachsen. Die Sträucher überwuchern fast völlig zerborstene Betonwände einer niemals fertiggestellten Kaserne aus glücklicherweise vergangenen Kriegstagen.

Wotrubakirche Eingang

Wotrubakirche Eingang

Dann wieder Beton! Auf einer Lichtung – ganz ohne Bewuchs türmen sich Betonklötze ganz unterschiedlicher Größe haushoch. Seltsam ist der Anblick. Er erinnert kaum an ein Gebäude – geschweige denn an eine Kirche.

Doch es ist eine Kirche, die Kirche zur Heiligsten Dreifaltigkeit, eine Rektoratskirche der Pfarrkirche Mauer, die aber eher bekannt ist unter dem Namen dessen, der sie erdacht hat, der jedoch kein Architekt war, sondern ein Bildhauer. Es ist Fritz Wotruba, dem die Kirche ihren geläufigen Namen Wotrubakirche verdankt. Die Bauausführung leitete Architekt Fritz Mayr.

Dem Bau und auch der Planung war eine höchst bemerkenswerte Lebensgeschichte vorangegangen. Es ist die Geschichte von Dr. Margarethe Ottillinger. Die damals 28jährige studierte Ökonomin war 1948 Sektionsleiterin im Ministerium für Vermögenssicherung und mit der Überprüfung der sowjetischen Erdölförderung in Niederösterreich betraut. Auf einer Dienstreise mit dem Ressortminister Peter Krauland wurde sie im damals besetzten Österreich an der Zonengrenze an der Ennsbrücke vom Sowjetischen Geheimdienst verhaftet, während der Minister unbehelligt weiterfahren durfte. Ottillinger wurde bezichtigt, amerikanische Spionin zu sein und zuerst in das sowjetische Zentralgefängnis in Baden bei Wien gebracht, dort acht Wochen lang verhört, um sie zu einem fingierten Geständnis zu zwingen, welches die Sowjets gegen die USA verwenden wollten.

„Geweihte Betonklötze“ weiterlesen →

Drucken: Diesen Artikel drucken

Das ganz Besondere am eigentlich Unscheinbaren

Die Fillgraderstiege

Die Fillgraderstiege

Ganz ähnlich wie am Alsergrund das Gelände zum Tal der (nicht mehr vorhandenen) Als abfällt, liegt auch Mariahilf eigentlich am Hang des Wientals. Beide Bezirke, aber Mariahilf ganz besonders, sind dicht verbaut und von Verkehr durchflutet. Diesem stellen sich die doch beträchtlichen Höhenunterschiede manchmal recht vehement in den Weg. Kann der Autofahrer die Kraft zum Überwinden dieser Höhendifferenz leicht seinem fahrbaren Untersatz abverlangen, so muss sie der Fussgänger selbst aufbringen. Teils muss er sie in steil ansteigenden oder abfallenden Gassen einsetzen, teils aber kann er auch über Treppenanlagen in die höher gelegenen Regionen des Bezirks gelangen, dann nämlich, wenn das Gelände auch für die steilste Gasse zu steil ansteigt. Eine Treppenanlage am Alsergrund haben wir schon betrachtet (siehe dazu:„Erleben im langsamen Schreiten“). Der Strudlhofstiege steht in Mariahilf ein Pendant gegenüber, wenn auch eines, das längst nicht so bekannt ist und welches meines Wissens auch noch nicht zu literarischen Ehren gekommen ist.‎

„Das ganz Besondere am eigentlich Unscheinbaren“ weiterlesen →

Drucken: Diesen Artikel drucken

Wieder am Nordend

Das "neue" Nordend

Das „neue“ Nordend

In der Spittelau hat sich in den letzten Jahren eine Menge getan.

Das auffällige Gebäude im Straßenspitz zwischen Heiligenstädter Straße und Döblinger Gürtel wurde renoviert. Zumindest erstrahlt die Fassade in neuen frischen Farben. Das gibt nicht nur Gelegenheit, ein Bild dieser neuen Pracht hier zu veröffentlichen, sondern auch die Information zum Architekten nachzutragen, die mir bei meiner ersten Erwähnung (siehe: „Am Nordend“) nicht bekannt waren.

Architekt dieses Wohnbaus ist Wilhelm Wohlmeyer, der 1864 in einer kinderreichen St. Pöltener Familie geboren wurde. Schon der Vater war Baumeister und fast alle seine Söhne gingen ebenfalls (wie in diesen Zeiten üblich) ins Baugewerbe. Zudem heiratete eine Schwester den St. Pöltener Baumeister Julius Peter Raab. Kind dieser Ehe wurde der Politiker und spätere österreichische Bundeskanzler Ing. Julius Raab und damit auch ein Neffe unseres Architekten Wilhelm Wohlmeyer.

„Wieder am Nordend“ weiterlesen →

Seiten: 1 2

Drucken: Diesen Artikel drucken

Die letzte Linienkapelle

Johanneskapelle Aufriss

Johanneskapelle Aufriss

Von Linienkapellen war schon mehrfach die Rede. Die einzige am ursprünglichen Platz erhaltene Kapelle ist die an der (ehemaligen) Hundsturmer Linie (siehe „Eine standhafte Kapelle“). Die Hütteldorfer Linienkapelle steht weit ab vom ehemaligen Linienwall an der Grenze zwischen Hütteldorf und Hadersdorf (siehe „Zwischen Hütteldorf und Hadersdorf“) und die Kapelle am Tabor (siehe „Nepomuk vom Tabor“) ist wohl im Bereich des Ursprungsstandorts, aber doch etwas von diesem versetzt, wohl aus verkehrstechnischen Gründen. Ist die Hütteldorfer Linienkapelle zwar erst nach Abriss des Linienwalls errichtet worden, aber weitab von diesem, so geht es hier um eine Linienkapelle, die am ursprünglichen Platz errichtet wurde und zwar als Ersatz für die Kapelle, die im Zuge der Schleifung des Walls mitgeschleift wurde.

Die Rede ist von der Währinger Linienkapelle, eher bekannt als Johanneskapelle, die am heutigen Währinger Gürtel in unmittelbarer Nähe der Volksoper steht und zwar ziemlich nahe der Stadtbahnbögen, eingezwängt also zwischen der als Hochstrecke geführten U-Bahn und dem stets starken Autoverkehr am inneren Gürtel.

„Die letzte Linienkapelle“ weiterlesen →

Seiten: 1 2 3

Drucken: Diesen Artikel drucken

Ein alter Turmrest

Die Wiener Hofburg ist kein homogenes Gebilde, sondern vielmehr ein Gebäudekomplex, der über Jahrhunderte hinweg immer wieder umgebaut und erweitet wurde. An den einzelnen Teilen der Burg lässt sich Architekturgeschichte von der Renaissance bis ins frühe zwanzigste Jahrhundert studieren. Dennoch ist keine ungeordnete Ansammlung an Baustilen entstanden, denn meist waren die Bauherren bestrebt, den Bestand möglichst harmonisch zu ergänzen. Bei aller Stilvielfalt hat man daher kaum den Eindruck, in Europas weitläufigster Palastanlage irgendwo mit einem Stilbruch konfontiert zu sein. Allerdings erinnert auch kaum etwas an eine Burg, was die Anlage ja vorgibt zu sein.

Der innere Burghof

Der innere Burghof mit der Schweizertraktfront: Der Widmerturm muss gleich rechts außerhalb des Bildes gestanden sein.

Kaum etwas erinnert an Befestigungsanlagen, alles präsentiert sich in Prunk und Pracht. Doch die Hofburg war tatsächlich einst eine Burg mit Wassergraben, Zugbrücke, Zinnen und Türmen. An der Stelle des inneren Burgtors, welches den inneren Burghof mit dem Heldenplatz verbindet, stand einst der Widmer Torturm, ein Verteidigungsturm über dem Widmertor, einem Stadttor direkt neben der Burg. Tor und Turm stammten aus dem 13. Jahrhundert und standen, bis sie im 16. Jahrhundert dem Leopoldinischen Trakt weichen mussten. Der Turm war rechts neben dem eigentlichen Tor zur Burg (heute Schweizer Tor) etwas nach außen versetzt und nicht in den Gebäudeverbund integriert wie die Burgtürme der damaligen Zeit.

„Ein alter Turmrest“ weiterlesen →

Seiten: 1 2

Drucken: Diesen Artikel drucken

Das Teufelchen in der Jesuitenkirche

Scheinkuppel von Andrea Pozzo

Scheinkuppel von Andrea Pozzo

In der ehemaligen Universitätskirche am Dr.-Ignaz-Seipel-Platz in der Inneren Stadt bekommt man eine eindrucksvolle Idee davon, wie sich Künstler des Hochbarock einen Kircheninnenraum gedacht haben.

Besonders auffällig sind die hohen schraubenartig gedrehten Marmorsäulen, welche einige der acht Seitenkapellen flankieren.

Viel weniger auffällig ist eine einzelne Bodenplatte im Mittelgang, welche heller ist als alle anderen. Tritt man auf diese Platte und hebt den Blick nach oben, so meint man in eine hohe Kuppel zu blicken, die jener im Petersdom zu Rom an Größe und Höhe kaum nachsteht. Tatsächlich handelt es sich aber um illusionistische Malerei von Andrea Pozzo, die zwei Joche des gegurteten Tonnengewölbes ausfüllt. Genau von diesem Ort aus wirkt die Illusion am überzeugendsten. Von anderen Plätzen im Kirchenraum aus betrachtet, sieht die Kuppel ein wenig schief aus, vom Altar aus sogar in einem beängstigenden Ausmaß.

„Das Teufelchen in der Jesuitenkirche“ weiterlesen →

Seiten: 1 2

Drucken: Diesen Artikel drucken

Die Kapelle des Lottobetrügers

Der Kobenzl, ein dem Kahlenberg vorgelagerter Hügel, ist sicher einer der schönsten und angenehmsten Plätze Wiens. Nach Süden hin öffnet sich dem Blick ein großer Teil der Stadt, die dem Betrachter zu Füßen ausgebreitet daliegt. Wen wundert es, dass der Kobenzl ein beliebter Ausflugsort der Wiener ist?

Ausflüge sind und waren für viele Wiener seit je auch eng verbunden mit kulinarischen und alkoholischen Genüssen. Diesem Sachverhalt Rechnung tragend hat sich auch die Infrastruktur am Kobenzl entwickelt. Gaststätten können mit gutem Geschäft rechnen – und es gibt solche in mehreren Ausprägungen. Vom einfachen Heurigenlokal bis zum Nobelrestaurant reicht die Palette der Gastronomiebetriebe, die sich zu Füßen des Schloss Cobenzl drängten – bis zum Jahr 1966. Damals ließ die Gemeinde Wien das Schloss, welches eine abenteuerliche Geschichte mit mehreren Besitzern hinter sich hatte, abreißen.

„Die Kapelle des Lottobetrügers“ weiterlesen →

Seiten: 1 2 3

Drucken: Diesen Artikel drucken

Die geheimnisvolle Agnes

Wie oft mag es vorkommen, dass sich schwedische Könige im Wienerwald verirren und die Nacht dort in einem Biwak verbringen müssen?

Gibt’s nicht?!

Da wissen die Legenden etwas Anderes zu berichten: Am Fuß des Hermannskogel verirrte sich einst ein schwedischer König und geriet auf der Suche nach dem Weg in die Dunkelheit. Eine Fee, die an einer Quelle wohnte, nahm ihm für eine Nacht bei sich auf. Am nächsten Morgen aber verabschiedete sich der König und ging unter Zurücklassung seiner Rüstung seiner Wege (die jetzt offenbar leichter zu finden waren).

Das Agnesbründl heute

Das Agnesbründl heute

Nach einiger Zeit brachte die Fee eine Tochter zur Welt und nannte sie Agnes. Die Legende führt die beiden Ereignisse zwar nacheinander an, deutet aber mit keinem Wort auf einen Zusammenhang zwischen ihnen hin. Ob wir davon ausgehen können, dass der König Agnes Vater sei, bleibt im Ungewissen.

„Die geheimnisvolle Agnes“ weiterlesen →

Seiten: 1 2 3

Drucken: Diesen Artikel drucken

Souvernirs aus Belgrad

Gideon Laudon in der Schlacht von Kunersdorf, Gemälde von Siegmund L'Allemand 1878 HGM Wien

Gideon Laudon in der Schlacht von Kunersdorf, Gemälde von Siegmund L'Allemand 1878 HGM Wien

Im sechsten Türkenkrieg gelang Prinz Eugen von Savoyen 1717 die Einnahme von Belgrad für Kaiser Karl VI. Davon berichtet auch das berühmte Prinz-Eugen-Lied. So ruhmreich diese Einnahme auch für Österreich gewesen sein muss; es bleibt die Tatsache, dass im Jahr 1739, drei Jahre nach dem Tod des Eroberers, die Stadt wieder vom osmanischen Heer eingenommen wurde. Erst 1789 bekam Belgrad wieder neue „alte“ Herren. Unter der Führung des Feldmarschalls Gideon Ernst Freiherr von Laudon gelang es 1789 in österreichischem Sold stehenden Truppen, die Stadt wieder für ihren Kaiser (diesmal Joseph II) einzunehmen.

An den ersten osmanischen Stadtkommandant Elhadsch Ibrahim Pascha, der nach der osmanischen Eroberung von 1739 von Sultan Mahmud I. eingesetzt worden war, sowie an den Sultan selbst erinnerten einige Marmortafeln am Stambuler Tor Belgrads, von denen eine den Namenszug Mahmud I. zeigte und eine andere sein Lob verkündete, vor allem als jenen, der Belgrad befreit und das Schloss (samt Wehranlagen) wieder instand gesetzt hatte:

„Souvernirs aus Belgrad“ weiterlesen →

Seiten: 1 2

Drucken: Diesen Artikel drucken

Pater Kolbes Verklärung

Erst im vergangenen Jahr ist der grafische Künstler Professor Ernst Degasperi verstorben. Zum Kern seines Schaffens zählen eine Reihe von Sgraffiti, die auch maßgeblich zu seiner Bekanntheit beigetragen haben. Sein sehr grafisch-dynamischer, markant wirkendender und kontrastreicher Ausdruck ist beinahe unverkennbar. Er findet sich in ähnlicher Form auch in seinen Grafiken.

Maximilian Kolbe

Maximilian Kolbe

Eines seiner Sgraffiti findet sich an einem ziemlich verborgenem Platz, nämlich nahe einer Seitenkapelle, der Antoniuskapelle, der Pfarrkirche Alservorstadt in der Josefstadt. Wenn man die Kirche von der Alser Straße her nicht durch das Hauptportal, sondern durch den Seiteneingang betritt, so gelangt man durch eine Glastüre in einen langen Gang, an dessen entgegengesetzter Stirnwand sich das Sgraffito befindet.

Es handelt sich dabei um eine Gedenkstätte für Maximilian Kolbe, einen Minoritenpater aus Polen, der 1941 im KZ Auschwitz umgekommen ist, weil er sich freiwillig an Stelle eines Mithäftlings, eines Familienvaters, zu einer Auswahl von 10 Todeskandidaten gemeldet hat. Die katholische Kirche verehrt Pater Maximilian Kolbe als Märtyrer. Er wurde im Jahr 1971 selig und 1982 von seinem polnischen Landsmann, Papst Johannes Paul II., heilig gesprochen.

„Pater Kolbes Verklärung“ weiterlesen →

Seiten: 1 2